Es gibt ein Leben vor dem Tod - ein Nachruf auf Stefan Pfeifer

Wann und wo immer ich Stefan Pfeifer getroffen habe, waren gewisse Dinge sicher vorhersehbar:

 

Erstens - es musste sich irgendwie um Rock'n'Roll handeln.

 

Es ist nicht nur so, dass Pfeifer meistens da war, wenn irgendwo Rock'n'Roll war, Pfeifer war Rock'n'Roll. Man kann vieles machen, um unsere Musik zu unterstützen, und viele haben ihren eigenen Anteil geleistet, dass Rock'n'Roll seit über 60 Jahren fortbesteht.

Pfeifer aber hat einfach alles gemacht: Musiker, Produzent, Label-Inhaber, Plattenvertrieb, Veranstalter, Songwriter und DJ - kurzum, Pfeifer hat nichts ausgelassen und stets gegeben, was er konnte. Sein persönlichstest Album ist sein Vermächtnis - Warren Ace & ... Geschrieben in einer Sturm-und Drang-Phase in Spanien - in seiner selbst gebauten Finca in Spanien - geben seine Songs ein ehrliches und offenes Bild seines turbolenten Lebens wieder, das sich dann Dank neuer Liebe wieder festigte. In einem Interview gefragt, was für ihn unverzichtbar wäre, musste Stefan nicht lange überlegen: Anja, seine große Liebe und der Rock'n'Roll.

Photo by Alicia Ajo

Zweitens - es wird viel zu Lachen geben.

Egal ob er oder man selbst bis zum Hals in der Scheiße steckte - doofe Sprüche gingen immer, und meist waren sie so doof, dass sie den jeweiligen Ärger oder Stress kurz vergessen ließen. Zudem hatte er davon ein Repertoire, das selten anzutreffen ist. Seltsamerweise erinnere ich mich nur an seine beiden schlechtetsten Witze:

 

a) Ein Apfel hängt neben einer Birne am Baum. Sagt die Birne zum Apfel: "Hey Apfel, ich                kann fliegen!". Der Apfel entgegnet "Das glaube ich nicht", worauf die Birne sich abhakt, eine Runde um die Baumkrone fliegt und sich wieder festmacht. Der Apfel staunt nicht schlecht: "Wie hast Du das denn gemnacht?", und die Birne sagt stolz: "Ich bin die Birne Maja!"

 

b) "Wenn ich zwei Katzen hätte, würde ich sie Eins und Zwei nennen - wenn Eins stirbt, habe ich immer noch Zwei!"

Nackt, so soll eine "Olle" ihm gesagt haben, sei er ein Teller bunte Knete - er hat sich über diese Beschreibung vermutlich mehr darüber gefreut als die Olle.

 

Photo by Alicia Ajo

Drittens - man kann verschiedener Meinung sein

Es gab über die Jahrzehnte unzählige Stunden, in denen wir über Politik, Religion oder ähnlich unerfreuliche Themen geredet haben und alles andere als einer Meinung waren. Aber - und das ist eine Eigenschaft, die ich immer sehr an ihm geschätzt habe - er akzeptierte stets, dass man anderer Meinung sein konnte. Und er hörte sich diese auch an.

 

Stefan Pfeifer ist am 27.11.2016 im Alter von 52 Jahren in Essen an Krebs gestorben - ich vermisse ihn sehr und bin ihm dankbar, dass er mein Rock'n'Roll-Leben und dasjenige vieler anderer auch so sehr bereichert hat.

 

 

Es war Stefans Wunsch, auf See bestattet zu werden. Der Gedanke, dass seine Asche so irgendwann auf uns herabregnet, wird ihm sicherlich ein Grinsen bereitet haben. Wolf Biermann, dem Stefan mal auf einem Album für Inspiration dankte, mahnte, es gäbe ein Leben vor dem Tod - Stefan hat es gelebt.

Julian Wiethoff
(Black Raven)

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